
Die Front rckt nher: Mit „Willkommen im Krieg“ versucht sich ProSieben an einer Komdie ber den Kampfplatz Afghanistan und liefert blo lachhafte Landser-Klisches.
Stell dir vor es ist Krieg, und alle gehen weg. Die amerikanische Armee zieht lngst Einheit fr Einheit vom Hindukusch ab. Auch die Bundeswehr befindet sich auf dem Rckzug aus dem Zustand, den mehrere spaige deutsche Verteidigungsminister nicht mal richtig beim Namen nennen wollten: Krieg. Nur die Gagschreiber von ProSieben marschieren noch quer zum Feld in Richtung Front. Die verpennten Spavgel aus der TV-Etappe – Good Morning, Afghanistan.
Die Taliban haben seit dem Angriff der Sowjet-Truppen smtliche auslndische Interventionen heil berstanden. Ein paar Scherze auf ihre Kosten wirft sie auch nicht mehr aus der Bahn. Aber ist de Maizieres Freiwilligen-Truppe stark genug fr ein paar Witzle aus der Feder der Privatfernseh-Humoristen? Ganz stolz prsentiert der Sender seit Tagen die emprten E-Mails von Soldaten auf seiner Internet-Seite, mit denen sie sich schon mal prophylaktisch ber die zu erwartenden Spe auf ihre Kosten beschweren.
Denn selbstverstndlich wollte ProSieben mit seiner Kriegs-Comedy „Willkommen im Krieg“ nicht etwa nur unterhalten. Sondern mal so richtig kontrovers am Nerv der militaristische versptet einberufenen Nation sgen. Da kam die hbsche Vorab-Erschtterung deutscher Landser wie gerufen. Zur Debatte taugt das versendete Material dann aber nicht. Darf man das: Lachen ber den Horror des Krieges? Seit Kubricks „Full Metal Jacket“ ist die – ohnehin eher rhetorische – Frage lngst beantwortet: Ja, man
darf
. Die Grenze des Humors ist einzig und allein dazu in die Landkarte der politischen Korrektheit eingezeichnet, damit wir sie mit Flei berschreiten.
Viel entscheidender ist allerdings die Frage: Kann man ber „Willkommen im Krieg“ berhaupt lachen? Und zu diesem Punkt kann es gar keine Diskussion geben: Nein, kann man beim besten Willen nicht. Das als Komdie angekndigte Machwerk entsprach in weiten Teilen dem Satire-Faktor von Leander Haumanns vollstndig missratener DDR-Kommiss-Komdie „NVA“. Tauglichkeitsstufe T4 bis 5. Vlliger Rohrkrepierer. Wobei die Vokabel „Rohr“ nur allzu naheliegend ist. Denn das ProSieben-Afghanistan-Abenteuer bewegt sich phasenweise auf dem Niveau des gespielten Herrenwitzes.
So gesehen etwa in jener Szene, in welcher Schtze Wilson Gonzalez Ochsenknecht eine aufblasbare Sexpuppe auf die Bronzefigur eine Bundesadlers drapiert. Als sein Uffz sich ber die Frechheit emprt und brllend den Tter sucht und von seinen Soldaten „einen Namen“ verlangt, gibt ihn Uwes minderbegabtes Ochsenknecht-Shnchen preis: „Drei-Loch-Susi“. Damit drften die vorab-emprten Bundeswehrler vershnt gewesen sein und sich freudentrnenberstrhmt in den Armen gelegen haben. Keine Debatte, diese Buhaha-Komdie ist ihrem Sujet angemessener als von Stabsseite befrchtet. So eine Art „Eis am Stil“, nur ohne nackte Mdels. Dafr mit Uniform fr die dummen Jungs.
Beinahe subtil wirkt da schon der frisurgewordene Guttenberg-Witz, den Hauptdarsteller Constantin von Jascheroff auf dem Kopf trgt: sauber gegelt und nach hinten gestriegelt. Ob der Ex-Verteidigungsminister so wie sein Alter Ego auf ProSieben auch Arschgeweih unter dem Maanzug trgt? Wer sich nach einigen Minuten an Jascheroffs Skalp abgelchelt hat, der musste noch viele spttische Anspielungen auf deutsche Grndlichkeit (Fahrradwege auf neugebauter Brcke durch’s Feindesland), deutschen Vorschriften-Wahn (ASU-Plakette auch auf Humvees am Hindukusch) und deutsche Mlltrennung im Felde ertragen.
Das ganze Debakel endet, als ein dicker Soldat namens Horsti im Kugelhagel der Taliban stirbt und jener Martin, den Jascheroff spielt, zum zivilen Ungehorsam aufruft. Er kettet sich mit ein paar Kameraden an die Fahrradweg-Brcke und gibt in bester Gutemenschen-Manier den ProSieben-Pazifisten vom Dienst. An bse Kriegs-Satiren wie „MASH“ oder „Jarhead“ reicht dieses Filmchen nicht mal ansatzweise heran. Schon gar nicht mit diesem Schluss, an dem afghanische Kinder Nenas Friedesnlied „99 Luftballons“ intonieren. Eine seltsame Komdie: Den ganzen Film hindurch keine brauchbare Pointe, aber der vllig ernsthafte Schluss ein einziger Witz.
Die Boys von ProSieben haben, wie Hauptdarsteller Jascheroff, wahrscheinlich allesamt nicht gedient. Die mssen erst noch mal zu Kubricks Drillinstructor Gunnery Sergeant Hartman. Sir, yes, Sir!
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