Aus für "Gottschalk live" – Blond gelocktes Problem verlässt Dauerbaustelle

April 18, 2012
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„Gottschalk live“ hat das Aus verdient: Es ist eine Dauerbaustelle, moderiert von einem blond gelockten Problem, mit einem grotesken Missverstndnis als Konzept.

Nun also doch. Die ARD hat ein Einsehen mit sich, mit den Gebhrenzahlern und nicht zuletzt mit Thomas Gottschalk und zieht den Stecker.

„Gottschalk live“ wird bald Geschichte sein

. Am 7. Juni soll das halbgare Format, das aus dem Probenstadium nie herausgekommen ist, zum allerletzten Mal ber die Vorabendmattscheibe flimmern. Vermutlich wird man selbst dann noch hektisch nachbessern, optimieren, feinjustieren. „Gottschalk live“ war ein Unikum im deutschen Fernsehbetrieb: eine Dauerbaustelle bei laufendem Betrieb, eine Totalrevision unter rollendem Rad.

Der Halbstnder vor der „Tagesschau“ verdient das Schicksal, das ihm seit dem Start Ende Januar vorhergesagt war. Er wird als grter Untergang mit Ansage in die Annalen des Gebhrenfernsehens eingehen. Der durch keine Retusche zu bremsende Quotensinkflug zeigte, dass das Publikum eben doch merkt, wenn Form und Inhalt so gar nicht zueinander passen wollen. Keine Renovierung des Studios, kein neuer Tisch, kein neuer Sessel, keine neue Redaktion konnte den Eindruck des Unausgereiften beiseitewischen. Gottschalk blieb ja stets derselbe. Und das war das blond gelockte Problem.

Gste wollen nicht belastet werden

Gewiss, es nahm durchaus fr den Veteranen ein, wenn er immer lnger, immer ausladender sich selbst und „Gottschalk live“ auf die Schippe nahm. Aber wer will bei einer Show dabeibleiben, deren Moderator nichts Besseres zu sagen wei, als dass die Show ein Problem sei? Wer will sich ein Format anschauen, dessen Macher die Krise eben dieses Formats zum Dauerthema machen? Niemand fhlt sich wohl auf Cocktailabenden, bei denen der Hausherr lang und breit seine eigene Lage bejammert und die vielen Absagen bedauert. Hey, wir sind gekommen, um zu bleiben – sollen wir uns aus dem Staub machen?

Als selbsternannter „Mann fr die Happy Hour“ wusste Gottschalk nicht: Gste wollen vom Gastgeber umgarnt, nicht beschwert werden. Sie wollen gemeinsam guter Dinge sein und nicht Trbsal blasen. Gottschalk aber blieb in dem Irrtum gefangen, Selbstreferenzialitt allein sei abendfllend. Er redete von sich und von der Show, von der Show und von sich – „jedes Mal, wenn ich im Stuhl sitze, haut’s die Quote hoch“, „das ist Hochkultur hier, und trotzdem krieg‘ ich’s um die Ohren“ –, und dazwischen erzhlten mittelmig bekannte Gste von neuen Filmen, neuem Schmuck und den Currywrsten in Berlin. Das sollte Wohnzimmer sein und Lounge und war doch nur zhes, unstrukturiertes, anti-aktuelles Geplauder. Wenn die 28 Minuten vorber waren, fhlte man sich um Jahre gealtert.

Ein groteskes Missverstndnis

Natrlich, Thomas Gottschalk wollte es noch einmal wissen. Der Doyen der Samstagabendunterhaltung wollte im siebten Lebensjahrzehnt allen Jngeren (und dem ZDF) zeigen, wo der Hammer hngt. Dass selbiger nun auf ihn gefallen ist, war von Anfang an einkalkuliert. Er selbst sprach mehrmals von der „Todeszone“, in die er sich um halb acht begebe.

Dennoch ist es ein denkwrdiges Ereignis, dass eine erfahrene Produktionsfirma, ein erfahrener Showprofi und eine vergleichsweise riesige Redaktion nicht in der Lage waren, ein tragfhiges Konzept zu entwickeln und flexible Strategien zu entwerfen. Man formatierte einen Rahmen, der journalistisch zu fllen gewesen wre, und setzte den Krtchenableser und Namensverwechsler Gottschalk in diesen Rahmen. Welch groteskes Missverstndnis!

Was lernen wir daraus? Unterhaltung ist eben doch die schwierigste aller Knste – und die ARD wahrlich nicht der Meister darin. Andererseits gehrt Klappern zum Handwerk, ist Scheitern keine Schande, und bleibt letztlich alles nur Showbiz. Das hrt niemals auf.

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