
2011 war „das beste Jahr in der Geschichte der Deutschen Bahn“, findet Konzernchef Rüdiger Grube. Denn: Die Züge seien deutlich pünktlicher geworden. In diesem Jahr könnten sich dagegen viele Baustellen als Bremsklotz erweisen.
„Kritiker gibt es immer, häufig wird ja auch zu recht kritisiert. Wir bekommen jeden Tag einige Tausend Briefe und E-Mails, natürlich auch Beschwerden,“ räumte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ein. Auch gebe es noch viel zu verbessern. Aber er bleibt zuversichtlich: Die Kunden seien insgesamt zufriedener als früher. „Unsere Züge sind deutlich pünktlicher geworden. Wir fahren im Augenblick sogar mit einer der höchsten Pünktlichkeiten in der Geschichte der Deutschen Bahn“, zeigt er sich überzeugt.
Der Bahnchef hofft, dass das so bleibt – warnt aber, dass es in diesem Jahr besonders viele Baustellen gebe, da die Bahn viel Geld in ihr Schienennetz stecke. Und: „Mehr Baustellen bedeuten – leider – auch mehr Verspätungen.“
Es würden „gewaltige Summen“ investiert: Allein für die Berliner S-Bahn sollen bis 2016 noch einmal über 720 Millionen Euro aufgebracht werden. Deren Probleme seien allerdings ein besonders schwieriges Erbe: Gleise, Weichen und Stellwerke seien „zum Teil älter als die DDR – da hakt es leider noch zu häufig“.
Die S-Bahn in der Hauptstadt sorgt immer wieder für Schlagzeilen; in den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Ausfälle.
„Wir sind auf dem Weg, eines der grünsten Unternehmen zu werden“
Ärger hat die Bahn auch mit der neuen ICE-Generation ICx, wo es zu Verzögerungen kommt. „Die hätten im vorigen Jahr schon fahren sollen. Jetzt werden wir zum Jahresende wohl sechs bis acht Züge bekommen“, sagte Grube. Er gibt der Industrie die Schule: Immer wieder sei man vertröstet worden. Die ICx-Züge sollen keine Stufen beim Einsteigen haben, leiser und leichter sein und somit zu einem geringeren Energieverbrauch beitragen.
Beim Thema Umweltschutz möchte die Bahn künftig eine Vorreiterrolle einnehmen: Der Anteil der erneuerbaren Energien an ihrem Energiemix soll bis 2020 auf 35 Prozent steigen. „Da wir der größte Stromverbraucher in Deutschland sind, heißt das, wir sind auf dem Weg, eines der grünsten Unternehmen zu werden“, sagte Grube der „FAS“. 2050 sollen die Züge zu 100 Prozent CO2-frei rollen.
In vier Stunden von München nach Berlin
Deshalb müssten demnächst Spitzengeschwindigkeiten von Tempo 250 ausreichen: „Wir brauchen keine ICE-Züge, die alle Tempo 350 fahren.“ Doch schnell soll die Bahn trotzdem bleiben – und vor allem durch neue Langstrecken den Billigfliegern wieder ein wenig den Rang ablaufen. Für die neue Strecke von München nach Berlin etwa schätzt er: „Mit dem Sprinter brauchen Sie dann voraussichtlich vier Stunden von Stadtzentrum zu Stadtzentrum. Ich sage voraus: Auch auf dieser Strecke werden die Airlines viele Flüge einstellen.“
Das ist ein hochgestecktes Ziel – doch Grube hält es für machbar, genauso wie eine immense Steigerung bei den Geschäftszahlen: „Unser Umsatz soll sich bis 2020 auf 70 Milliarden Euro verdoppeln. Das sind im Schnitt jedes Jahr etwa sieben Prozent – das ist ehrgeizig, aber nicht unmöglich.“
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Bahnchef Grube blickt optimistisch nach vorn – "Unsere Züge sind deutlich pünktlicher geworden"
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