Cybersquatting – Virtueller Adressklau mit realen Folgen

March 20, 2012
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St. Ingbert (ots) – Webadressen, genannt “Domainnamen”, sind weltweit ein begehrtes Handelsgut. Namen wie pizza.com oder candy.com haben auf dem Domainmarkt Verkaufsergebnisse in siebenstelliger Hhe erzielt. Wer die Bedeutung der Webadresse unterschtzt, leidet schnell unter negativen Folgen: Cybersquatter registrieren Domainnamen aus Begriffen, die laut Markenrecht anderen zustehen. Zielscheibe sind in der Regel Namen und Marken prominenter Personen oder Unternehmen sowie passende Tippfehler. Auf der Tippfehler-Domain wwwladygaga.com zum offiziellen Internet-Auftritt von Lady Gaga (ladygaga.com) finden sich aktuell Werbeanzeigen.

“Ein Cybersquatter knnte Lady Gaga mit wwwladygaga.com zwischen 500 und 1000 Webseiten-Besucher im Monat stehlen”, schtzt Markus Mller, selbst Domain-Investor – im Branchen-Slang “Domainer”. Das Prinzip hinter der Abzocke ist einfach: Vergisst ein User bei der Eingabe von www.ladygaga.com den Punkt nach dem www, so landet er auf www.wwwladygaga.com. “Cybersquatter sind schwarze Schafe unter den Domainern. Ein sauber arbeitender Investor verdient sein Geld mit der Nutzung und dem Verkauf von Webadressen, die nicht die Markenrechte Dritter verletzen”, hebt Mller hervor.

Auf den “falschen” Webseiten der Cybersquatter findet der Internetnutzer statt der gesuchten Infos hufig Werbung. Zum Teil tummeln sich dort auch Anzeigen konkurrierender Unternehmen oder Personen, schlimmstenfalls leitet eine Domain auf die Seite eines Mitbewerbers weiter. Hufig werden einer korrekten Domain hnliche Webadressen auch fr den Handel mit Produktflschungen oder das Abfangen von Login-Daten (Phishing) genutzt: Zum Abgreifen von Benutzerdaten der DHL-Packstationen nutzten Online-Kriminelle in der Vergangenheit Domainnamen wie packstati0n.de (mit der Ziffer 0 statt dem Buchstaben o).

Auch Politiker sind vor dem Imageschaden durch Cybersquatter nicht sicher: Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 fhrte die Domain wir-haben-die-kraft.de des CDU-Wahlkampfslogans “Wir haben die Kraft” zum Webauftritt der Piraten – laut Partei hatte die Weiterleitung jedoch eine Privatperson eingerichtet. “Dieser Fall verdeutlicht, wie wichtig prventives Agieren fr bekannte Personen, Unternehmen oder Organisationen ist”, schlussfolgert Alexander Siffrin, Geschftsfhrer des Domain-Anbieters Key-Systems GmbH. “Grundstzlich gilt: Wer Domainnamen frhzeitig registriert und ihre Laufzeit rechtzeitig verlngert, spart bares Geld.”

Ist der Domainname bereits unrechtmig besetzt, so sind nach der Abmahnung durch einen Rechtsanwalt der Gerichtsprozess oder das grenzberschreitende UDRP-Verfahren (Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy) letzter Schritt im Kampf gegen Cybersquatter. “Voraussetzung fr ein erfolgreiches UDRP-Verfahren ist, dass die Domain mit einem geschtzten Kennzeichen identisch oder verwechselbar hnlich ist, der beklagte Inhaber der Domain keine Rechte an dem Kennzeichen hat und die Webadresse in bser Absicht registriert hat und nutzt”, erklrt Rechtsanwalt Thomas Rickert, Domainrechtsexperte und geschftsfhrender Gesellschafter der Schollmeyer & Rickert Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.

“Die Kosten fr ein UDRP-Verfahren betragen mindestens 1.500 US Dollar plus Anwaltskosten”, klrt Domain-Anbieter Alexander Siffrin auf. “Die gezielte Registrierung wichtiger Webadressen kann jedoch rechtliche Auseinandersetzungen mit Cybersquattern verhindern. Die berwachung des Domain-Marktes durch einen Profi zeigt ergnzend, ob der eigene Name bereits missbruchlich als Webadresse genutzt wird und eine Abmahnung oder ein Prozess notwendig ist.”

Die Gefahr durch Cybersquatting fr Prominente und Unternehmen knnte bald weiter zunehmen. Die Zahl der Internet-Endungen – genannt Top-Level-Domains, kurz TLDs – wie .COM oder .DE wird ab 2013 sprunghaft ansteigen. Neben Endungen im Stil von .MARKE oder .FIRMA werden dann auch geografische Begriffe wie .BERLIN und .PARIS oder Ausdrcke wie .MUSIC und .SHOP als Endung fr Webadressen mglich.

“Prominente und Unternehmen sollten dann gezielt fr ihre Person oder Marke wichtige Namen reservieren”, erklrt Domainer Markus Mller. Internet-User sollten darauf achten, ob sie sich tatschlich auf der gewnschten Seite befinden – im Zweifelsfall helfe ein Blick auf die Kontaktseite oder ins Impressum. Auch die Online-Abfrage bei einem Whois-Service kann die Identitt einer Website belegen. Dort sind fr jede Domain die Kontaktdaten des Eigentmers hinterlegt.

Pressekontakt:

Key-Systems GmbH
Dorothea Marx
Public Relations
Tel.: +49 6894 93 96 902
E-Mail: dmarx@key-systems.net 

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