Mittelbayerische Zeitung: Mit gefalteten Händen statt erhobener Faust

March 29, 2012
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Mittelbayerische Zeitung: Mit gefalteten Hnden statt erhobener Faust

Regensburg (ots) – Von Wolfgang Ziegler

Der Papst ist nicht Gott, sondern Mensch – wenngleich er als Stellvertreter Christi gilt. Den teilweise vllig kontrren Erwartungshaltungen, die vor seiner Visite in Kuba von allen Seiten definiert worden waren, konnte Benedikt XVI. deshalb gar nicht gerecht werden. Da hatte sich die Castro-Regierung von seinem Aufenthalt eine Aufwertung und eine Anerkennung versprochen – auch dafr, dass die Religionsfreiheit im Land seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. vor 14 Jahren weitgehend umgesetzt wurde. Die Opposition indes hatte sich Untersttzung in ihrem Streben nach politischen Reformen erhofft. Die Katholiken auf der grten Karibik-Insel hatten sich eine strkere Verankerung in der kommunistisch geprgten Gesellschaft gewnscht. Und alle Kubaner hatten deutliche Worte gegen die absurde US-amerikanische Wirtschaftsblockade erwartet. All diese Wnsche htte nicht einmal der begnadetste Diplomat erfllen knnen. Und dennoch hat Benedikt XVI. den politischen Drahtseilakt, der sein Besuch war, mit Bravour gemeistert. Er hat gezeigt, dass es durchaus mglich ist, ohne plakative Parolen zu predigen. Mit gefalteter Hand statt erhobener Faust hat er – zwar verklausuliert, aber deutlich genug – seine Meinung ber die Ideologie des Marxismus und die Zukunft des Landes ebenso zum Ausdruck gebracht, wie er letztlich den Kubanern aus dem Herzen gesprochen hat, als er kurz vor seiner Abreise die wirtschaftlichen Strafmanahmen der Vereinigten Staaten als “unfaire Belastung fr die Bevlkerung” geielte. Was aber viel wichtiger ist: Der Papst hat der katholischen Kirche in Kuba damit ihre Rolle als Brckenbauer bewahrt. Johannes Paul II. hatte diesen Prozess bei seinem Besuch 1998 eingeleitet, Benedikt XVI. ist seinen Weg konsequent weitergegangen. Zu Recht: Denn inzwischen leben Katholizismus und Kommunismus in Kuba in einer Art friedlicher Koexistenz, ist die Kirche unter Fhrung von Kardinal Jaime Ortega y Alamino neben der kommunistischen Partei zu einer zweiten, wahrnehmbaren Gre im Lande geworden, der man zwar vorwirft, nicht mehr zu sein als eine wohlwollende Kritikerin, die aber sehr wohl ber Einfluss verfgt. Die Haftentlassung von 130 Dissidenten und ihre Ausreise nach Spanien im vergangenen Jahr, die auf einer Reihe von Gesprchen zwischen Ortega und Staatschef Ral Castro beruhten, sind beredte Beispiele dafr. Auch vom Besuch Benedikts XVI. wird in Kuba mehr bleiben als ein – mglicherweise – arbeitsfreier Karfreitag. Vielleicht nicht morgen, aber unter Umstnden schon bermorgen wird die katholische Kirche noch mehr in die Ratgeberrolle fr die kommunistische Regierung schlpfen knnen – die brigens von sich selbst sagt, bei ihrem eingeleiteten Erneuerungsprozess nach dem Prinzip “trial and error” zu verfahren und nicht automatisch alles auf Anhieb richtig zu machen. So wenig, wie andere Staaten dieser Welt eben auch. Wenn westliche Politiker nun kritisieren, der Papst htte deutlichere Worte an die Adresse der Regierung in Havanna richten mssen, verkennen sie die Lage deshalb vllig – und vergessen vor allem, zunchst einmal vor der eigenen Haustre zu kehren. Denn mittlerweile schon seit Jahrzehnten versuchen sie in ihrer bertriebenen Amerika-Hrigkeit, eine vllig unbedeutende Insel wirtschaftlich auszuhungern, whrend sie gleichzeitig China, die brutalste, aber reichste kommunistische Diktatur, aus konomischen Grnden hofieren. Dabei wren sie gut beraten, Benedikt XVI. zu folgen. Der Kalte Krieg ist lngst zu Ende, auch in Kuba. Europa und die USA sollten dies endlich erkennen und akzeptieren – und nicht ppstlicher sein als der Papst.

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