Neue Westflische (Bielefeld): Kommentar: Gauck ist gewhlt
Der Unabhngige
ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN
Bielefeld (ots) – Man darf auf diesen Bundesprsidenten Joachim Gauck gespannt sein. Vieles an ihm ist ungewhnlich, so seine ganz und gar unverstellte Unabhngigkeit: Er gehrt keiner politischen Partei an und ist in der Bundesversammlung von fnf Parteien vorgeschlagen worden. Diese ideologische Ungebundenheit stellt fr die etablierte Politik auch ein Risiko dar. Doch Gaucks kurze Antrittsrede zeigte, dass er ein Risiko wohl vor allem fr die Linke darstellt. Gauck sprach von dem 18. Mrz 1990, als er erstmals whlen durfte. Millionen von Ostdeutschen htten damals nach zwei Diktaturen endlich Brger sein drfen, sagte Gauck. Keine Hand zum Beifall regte sich bei der Linkspartei. Dass er die DDR beim Namen und eine Diktatur nennt, lsst vor allem diejenigen als Gestrige erscheinen, die sich zu einer klaren Haltung zu ihrer eigenen Geschichte bis heute nicht durchringen knnen, und das ist nun mal die Linkspartei. Gauck wei, das er sein Themenspektrum erweitern und auch modernisieren muss. Doch ohne Freiheit ist alles nichts, und diese Grundberzeugung wird ihm, dem sturen Mecklenburger, zum Glck niemand austreiben knnen. Und eine Annherung zwischen Regierenden und Bevlkerung will Gauck auf den Weg bringen. Wenn seine Prsidentschaft hilft, der Politik den allzu schlechten Ruf zu nehmen, wre schon viel erreicht. Aber auch ein Joachim Gauck hat natrlich das Recht, in seinem neuen Amt erst einmal anzukommen. Und auch das Recht, Fehler zu begehen. Die Erwartungen an ihn sind riesig und nicht zu erfllen. Aber die meisten Brger im Land mgen ihn jetzt schon – und das ist die beste Voraussetzung frs Gelingen.
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