Patentklau in Asien – „Bestimmte Komponenten bauen wir nur in Deutschland“

April 20, 2012
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Tagtäglich kämpft der Maschinenbauer Manz gegen den Patentklau in Fernost. Im Interview mit FOCUS Online erklärt Firmenchef Dieter Manz seine Tricks – und warum die Chinesen nicht einmal seine größte Sorge sind.

FOCUS Online:

Chinesische Firmen haben 2011 so viele Patente angemeldet wie nie zuvor. Schwächt sich das Plagiate-Problem in Asien langsam ab?

Dieter Manz: Es hat sich überhaupt nichts geändert – im Gegenteil. Um die Chinesen mache ich mir dabei gar nicht einmal so große Sorgen: Die würden uns gerne imitieren, haben aber noch nicht die Fähigkeit dazu. Viel gefährlicher ist die Situation in vielen anderen asiatischen Ländern.

FOCUS Online: Inwiefern?

Manz: In Taiwan oder Korea ist das Know-how zum Nachbau ausreichend vorhanden. Dort bemüht man sich nicht einmal, die Absichten zu verschleiern. Einmal hat ein Team von Manz eine Fabrik besucht, in die wir Maschinen geliefert hatten. Plötzlich tauchte eine Gruppe von Personen mit Kameras auf und stellte sich um unsere Maschine herum. Auf unsere Nachfrage, wer das ist, hieß es lapidar: Das ist unser lokaler Fertiger, der soll uns auch so ein Gerät bauen –für’s halbe Geld.

FOCUS Online: Beliefern Sie diesen Kunden noch?

Manz: Ja. Wir können diese Märkte nicht einfach meiden. In Asien sitzen unsere Kunden, wir machen mittlerweile 75 Prozent unseres Umsatzes in dieser Region.

FOCUS Online: Aber so machen Geschäfte doch keinen Spaß, oder?

Manz: Die Frage stellt sich nicht. Unsere Solarkunden hierzulande kämpfen alle ums Überleben, und wer noch Geld hat baut sein nächste Fabrik in Asien – so wie Bosch. Insofern haben wir keine Wahl: Wir müssen uns auf diesen Wettbewerb einlassen. Aber wir haben eine Reihe von Maßnahmen entwickelt, um unser Wissen zu verteidigen. Dazu müssen wir uns schon bei Entwicklung und Konzeption unserer Maschinen überlegen, wie wir die wichtigsten Teile schützen – sei es durch verkleben, zusammen schweißen oder die Umwandlung mechanischer Funktionen in Softwarecodes.

FOCUS Online: Wie geht das?

Manz: Wir können Abstände mit einem mechanischen Taster messen oder mit einem Laser. Der Laser muss von Software gesteuert werden. Die kann irgendwo im Gerät auf einer Platine sitzen und ist verschlüsselt.

FOCUS Online: Software kann man doch knacken?

Manz: Das ist sehr aufwändig – und bei unseren Stückzahlen lohnt es sich oft nicht. Entscheidend ist, dass es Zeit kostet, die unsere Branche nicht hat. In der Solartechnik und bei den Displays schreitet der technische Fortschritt so schnell voran, dass eine Maschine schon nach drei Jahren veraltet ist. Wenn jemand ein Jahr braucht, um unsere Maschine zu kopieren, kann er sie nur noch zwei Jahre lang verkaufen. Bis der Wettbewerb unsere alte Maschine nachgebaut hat, haben wir schon die neue.

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