
In „Zeig mir deine Welt“ begleitet Kai Pflaume Menschen mit Downsyndrom durch den Alltag. Und hat ganz viel Spaß dabei.
„Fröhlich“ ist das Wort der Stunde: Fröhlich schäkert Ottavio in Köln mit seiner Friseurin, heiter lacht Verena an der Heißmangel mit ihren Kolleginnen. Und auch Ronja ist vor allem gut gelaunt, wenn sie TV-Moderator Kai Pflaume durch ihre Großküche, ihre Welt führt.
„Das reinste Glück“, schwärmt die Oma
Dabei begann so manche Lebensgeschichte von Kai Pflaumes Protagonisten auf der anderen Skalenseite von „fröhlich“: „Ein kleiner Weltuntergang“ sei es gewesen, als Sebastian – heute 35 – mit Downsyndrom zur Welt kam, sagt die Oma. Geben Sie das Kind ins Heim, riet man Sebastians Eltern, „belasten Sie Ihr Leben nicht damit“. Und heute? Ist Sebastian für sie „das reinste Glück“, sagt die Großmutter gerührt.
Mehr als 90 Prozent der Schwangeren, bei deren Kind Trisomie 21 festgestellt wird, entscheiden sich für eine Spätabtreibung. Sie fürchten die lebenslange Verantwortung für einen behinderten Menschen, die Ablehnung durch die Gesellschaft, haben Angst vor dem Unbekannten. Denn mal ehrlich: Was weiß man schon über die Welt der vom Downsyndrom Betroffenen?
Alleine dieser letzte Satz ist schon Grund genug für „Zeig mir deine Welt“. Moderator Kai Pflaume besucht Erwachsene mit Trisomie 21, diskutiert mit ihnen über Job und Liebe, über das Anderssein und den Wunsch, dazu zu gehören. Kein Experte quatscht dazwischen, kein Schaubild wird bemüht, um die Leben verändernde Genom-Mutation Trisomie 21 zu erklären. „Zeig mir deine Welt“ ist eine vierteilige Doku, die nichts erklären, und eine Show, die niemanden vorführen will. Und liegt damit tatsächlich zwischen allen bisher geöffneten TV-Schubladen.
Gut, könnte man sagen, etwas Derartiges ist nicht neu im deutschen Fernsehen. Reportagereihen wie „37 Grad“ haben sich unterhaltende Aufklärung schon seit Jahr und Tag auf die Fahne geschrieben. „Zeig mir deine Welt“ will aber gar nicht die ernsten, traurigen Seiten eines Lebens mit Handicap ausloten, leicht und fröhlich soll alles sein. Probleme? Sind in der Downsyndrom-Welt auch nicht größer als bei den „Normalos“, lautet die Botschaft.
Vom Kai aus der Kitsch-Kiste
Dass die Doku-Show dennoch nicht allzu seicht und verlogen rüberkommt, ist vor allem dem Moderator zu verdanken. Kai Pflaume, seit der Show „Nur die Liebe zählt“ generell unter Kitschverdacht stehend, spart sich bis auf wenige kurze Ausreißer das Ranschmalzen an seine Gegenüber. Er will Ottavio und Sebastian, Verena und Ronja auf Augenhöhe begegnen, und es gelingt ihm auch weitgehend.
„Zeig mir deine Welt“ zielt weder auf den Verstand noch auf die Tränendrüse – nur auf das Herz. Am Ende der Porträt-Doku hat man kaum etwas über das Krankheitsbild Downsyndrom gelernt. Wenn allerdings rüberkommt, dass es sich hierbei nicht automatisch um einen „kleinen Weltuntergang“ handelt, ist schon mal etwas sehr Wichtiges erreicht.
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