Einer der reichsten Mnner der Welt, der US-Amerikaner Sheldon Adelson, will in Spanien ein „europisches Las Vegas“ errichten. Und schon beginnt der Streit unter den Metropolen, wohin das Milliarden-Projekt kommen soll.
Ein Las Vegas fr Spanien?
Madrid
und
Barcelona
sind nicht nur im Kampf um die spanische Fuballmeisterschaft erbitterte Rivalen. Die beiden Metropolen stehen auch im Wettkampf um ein gigantisches Bauprojekt, bei dem es um Milliardensummen geht. Der amerikanische Kasino-Tycoon Sheldon Adelson will in Spanien ein „Mini-Las-Vegas“ errichten, das entweder in der Nhe der Hauptstadt oder vor den Toren der katalanischen Metropole entstehen soll.
Das Projekt soll nach spanischen Medienberichten zwlf Hotelkomplexe mit insgesamt 36 ;000 Zimmern, sechs Kasinos mit 1065 Roulette-Tischen und 18 ;000 Spielautomaten, neun Theater, bis zu drei Golfpltze und ein Stadion mit 15 ;000 Pltzen umfassen.
Das „Eurovegas“, wie das Vorhaben in Spanien genannt wird, soll Investitionen in einer Grenordnung von 18 Milliarden Euro bis 2022 bedeuten und Schritt fr Schritt in mehreren Phasen realisiert werden.
Bauvorhaben wird schon geplant
„Auf dem Weg zu einer definitiven Entscheidung haben wir 90 Prozent zurckgelegt“, sagte Michael Leven, Prsident des US-Konzerns Las Vegas Sands und rechte Hand des Multimilliardrs Adelson. Noch vor dem Sommer will der Konzern sich festlegen. Mit den Bauarbeiten knnte im kommenden Jahr begonnen werden. Das Vorhaben werde direkt und indirekt 260 ;000 Arbeitspltze schaffen, heit es.
In Zeiten von Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit scheint das Milliardenprojekt ein Geschenk des Himmels zu sein. Aber die Amerikaner stellen harte Bedingungen: Dazu gehren Sonderkonditionen bei Steuern, Arbeitsvertrgen und Sozialabgaben, eine Lockerung der Vorschriften fr den Kampf gegen die Geldwsche oder eine Ausnahmeregelung vom strikten Rauchverbot.
Neues Geschftsfeld fr Adelson
Der 78-jhrige Adelson betreibt Kasinos in
Las Vegas
, Macao (China) und in Singapur. Auf der Liste der US-Zeitschrift „Forbes“ rangiert er unter den reichsten Mnnern der Welt auf dem 14. Platz mit einem geschtzten Vermgen von 24,9 Milliarden Dollar (18,7 Milliarden Euro). Mit dem Projekt in Spanien will der Selfmademan, der von jdischen Einwanderern aus der Ukraine abstammt und in rmlichen Verhltnissen aufgewachsen ist, auch in Europa Fu fassen.
Die Regionalregierungen von Madrid und Katalonien schickten am vorigen Wochenende Delegationen nach Las Vegas und unterbreiteten dort ihre Kandidaturen. Nach dem „Casting“ scheint Madrid im Vorteil zu sein, denn die Kandidatur von Barcelona hat aus Sicht der Amerikaner einen Schwachpunkt: Die katalanische Metropole hat fr das Projekt einen Landstrich vorgesehen, der in unmittelbarer Nhe des Flughafens liegt. Und dort drfen aus Grnden der Flugsicherheit keine Wolkenkratzer errichtet werden.
Das Projekt braucht Platz und gute Verbindungen
Genau das aber wollen die Amerikaner. „Fr ein
Hotel mit 3000 Zimmern
braucht man 50 Stockwerke“, zitierte die Zeitung „El Peridico“ den Multimilliardr. Madrid ist den Katalanen auch in einem anderen Punkt voraus: Die Hauptstadt verfgt ber die besseren Flugverbindungen in alle Welt. Allerdings weist auch die Madrider Kandidatur eine Schwachstelle auf: Die vorgesehene Flche liegt in der Nhe der grten Mllkippe von ganz Spanien. Barcelona wirbt dagegen mit seiner Lage am Meer und fhrt ins Feld, dass die Stadt Millionen von Touristen anzieht und einer der bedeutendsten Anlegehfen fr Kreuzfahrtschiffe ist.
Allerdings rhrt sich in beiden Stdten auch Widerstand gegen das Mega-Projekt. Die Gegner, darunter Umweltschtzer und Anhnger der Bewegung der „Emprten“, schlossen sich zur Plattform „Eurovegas No“ zusammen. „Whrend Lnder wie Deutschland in Innovation investieren, bleibt Spanien mit einem Vorhaben wie Eurovegas ein Land der Kellner und der Prostituierten“, meinte ein Sprecher.
Schlechte Erfahrungen mit Freizeitparks
Spanien hat mit groen Vorhaben der Freizeitbranche nicht gerade gute Erfahrungen gemacht. In den vergangenen Jahrzehnten waren Vergngungsparks bei Tarragona, Benidorm, Madrid und in Sevilla entstanden. Mit Ausnahme von Port Aventura bei Tarragona machten alle Millionenverluste und wurden zu einer Belastung fr die Steuerzahler.
Vor gut vier Jahren wollte eine Gruppe von Anlegern schon einmal ein „europisches Las Vegas“ in der Form eines riesigen gyptischen Tempels errichten. In einem wstenhnlichen Gelnde bei Saragossa sollten dafr 17 Milliarden Euro investiert werden. Der Beginn der Wirtschaftskrise bereitete dem Vorhaben ein Ende – noch vor dem ersten Spatenstich.