
Trotz der auslaufenden Konjunkturflaute steuert Deutschland auf einen Anstieg der Firmeninsolvenzen zu. Im Januar gingen 2321 Unternehmen pleite – mehr als noch vor einem Jahr. Bei den Privatinsolvenzen sieht der Trend anders aus.
Im Januar 2012 nahm die Zahl der Firmeninsolvenzen um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Es war der erste Anstieg zu einem Vorjahresmonat seit August 2010. Der Verband der deutschen Insolvenzverwalter (VID) rechnet 2012 mit einem leichten Plus bei den Firmenpleiten. „Offensichtlich knnen von der Sonderkonjunktur in Deutschland nicht alle Unternehmen in gleichem Mae profitieren“, sagte VID-Chef Christoph Niering. „Hier hinterlsst die schwache wirtschaftliche Entwicklung in den anderen EU-Lndern ihre Spuren.“
Die deutsche Wirtschaft war Ende 2011 erstmals seit fast drei Jahren geschrumpft, stabilisiert sich seitdem aber wieder. Im Gegensatz dazu stehen viele Eurostaaten an der Schwelle zur Rezession oder stecken bereits mitten drin. Lnder wie Spanien, Italien, Portugal und Griechenland wollen mit harten Sparpaketen das Vertrauen der Finanzmrkte zurckgewinnen und langfristig wieder auf Wachstumskurs kommen. Fr Deutschland sagen die meisten Experten 2012 ein Konjunkturplus von bis zu einem Prozent voraus.
Neues Gesetz knnte zu mehr Insolvenz fhren
Im vergangenen Jahr hatten sich 30 ;100 Firmen insolvent gemeldet. Dies waren knapp sechs Prozent weniger als im Jahr davor. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform sagt fr 2012 einen Anstieg der Pleiteflle auf 32 ;000 voraus. Experten erklren dies auch mit einer Reform des Insolvenzrechts, die seit Anfang Mrz gilt. Die Sanierung soll damit einfacher werden, bisher werden noch die meisten insolventen Firmen zerschlagen.
Die Insolvenzverwalter begrnden die Entwicklung auch mit einer wachsenden Zurckhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. „Von einer Kreditklemme kann man jedoch noch nicht sprechen“, betonte Niering. Bei der bisher grten Pleite in diesem Jahr verloren gut 10 ;000 von etwa 26 ;000 Mitarbeitern der Drogerie-Kette Schlecker ihren Job.
Zahl der Privatinsolvenzen sinkt
Auf Verbraucherseite ebbt die Pleitewelle weiter ab. Im Januar meldeten sich 8236 Personen beim Amtsgericht als berschuldet oder zahlungsunfhig. Dies waren 2,6 Prozent weniger als vor einem Jahr und der achte Rckgang in Folge. Wichtigster Grund fr die positive Entwicklung drfte die gute Arbeitsmarktlage sein, denn 2011 gab es so viele Beschftigte wie nie zuvor. Die Zahl der Erwerbsttigen soll in diesem Jahr einen neuen Rekordwert erreichen.
Die Gerichte bezifferten die voraussichtlichen offenen Forderungen der Glubiger fr den Januar 2012 auf 1,9 Milliarden Euro. Im Januar 2011 lagen sie bei 2,1 Milliarden Euro.
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