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London droht Verkehrsinfarkt – Olympia – Freie Fahrt nur für Funktionäre

Die lteste U-Bahn der Welt, wtende Taxifahrer und eine eigene Verkehrsspur fr Athleten und Offizielle: In den Londoner Olympiapark zu kommen, ist gar nicht so einfach.

100 Tage sind es noch bis zum Beginn der 30. Olympischen Sommerspiele in London. In 30 Tagen schon kommt das Olympische Feuer aus Griechenland angeflogen und geht am 19. Mai mit insgesamt 8000 Fackellufern auf seine Reise durch England. Startpunkt ist die Landspitze Land`s End in Cornwall im Sdwesten des Landes. Die Route fhrt ber etliche bekannte Sehenswrdigkeiten wie den historischen Steinkreis Stonehenge insgesamt 8000 Meilen bis nach London. Am 20. Juli, also eine Woche vor dem Beginn der Olympischen Spiele trifft die Flamme in der Acht-Millionen-Einwohner-Stadt ein – im sichersten Gebude der Hauptstadt, im

Tower of London

, wo nicht nur Waffen gesammelt, sondern auch die Kronjuwelen aufbewahrt werden.

Drohender Verkehrsinfarkt

Von dort dauert die Reise in den Olympiapark im Osten Londons mindestens eine Stunde – wenn man die U-Bahn nimmt. Und das werden viele Olympiabesucher tun. Denn der Straenverkehr in Englands Metropole kommt schon ohne Olympia tglich zum Stillstand. Staus und Verkehrsgaus sind normal – mehrspurige Ringstraen gibt es nur wenige, die Infrastruktur der Straen ist im europischen Grostadtvergleich mehr als zurckgeblieben.

Die Veranstalter haben sich dafr auch schon eine Lsung einfallen lassen: Athleten und Offizielle sollen eine eigene Verkehrsspur bekommen. Die VIP-Spur soll garantieren, dass sie rechtzeitig zu den Wettkmpfen kommen. Londons Taxifahrer finden diese Idee jedoch weniger witzig, sie befrchten dramatische Geschftseinbuen. Auch wegen der drohenden Staus. Die so genannten „Cabbies“, 25 ;000 an der Zahl, haben bereits angekndigt, whrend Olympia zu streiken, falls ihnen nicht erlaubt wird, Nachtzuschlger auch tagsber verlangen zu drfen. Das drfte wiederum viele Besucher in die „Tube“ genannte U-Bahn treiben. Von tglich bis zu drei Millionen zustzlichen U-Bahngsten gehen die Olympia-Veranstalter aus.

Als lteste U-Bahn der Welt operiert dieses Verkehrsmittel allerdings schon am Limit: Zge und Bahnsteige sind nicht mehr zeitgem. Ewig lange Verbindungsgnge lassen das U-Bahnfahren zeitweise zum Dauerlaufen werden. Versptungen sind an der Tagesordnung, an den Wochenenden vor Olympia fallen wegen Bauarbeiten teilweise ganze Linien aus. Die Hauptlinie vom Zentrum in den Olympiapark, die Jubilee-Line, fllt regelmig aus – seit sie ein nagelneues Signalsystem erhielt. Der Bahnhof im Olympiaviertel Stratford jedoch erstrahlt in neuem Glanz. Die Station Stratford International wurde eigens gebaut – hier soll auch der Eurostar-Zug halten, der durch den Tunnel im rmelkanal vom Festland kommt.

Stadien auf ehemals verseuchtem Gelnde

Wer in der neuen Glitzer-und Einkaufswelt in Stratford aussteigt, kann sich kaum vorstellen, auf welchem Boden er steht: auf ehemals mit Arsen, Asbest und Strychnin verseuchter Erde. Hier im Londoner Eastend lagen jahrzehntelang rostige Autos in Kanlen herum, es trmten sich Berge von Altreifen auf verlassenen Gelnden von Chemie- und Kleberfabriken. Die gigantischen Suberungs-, Aufbereitungs- und Renaturierungsmanahmen drften wesentlich dazubeigetragen haben, dass London im Jahr 2005 den Zuschlag fr Olympia erhielt gegen die starke Konkurrenz aus Paris, New York, Madrid und Moskau. Das Aschenputtel sollte in eine grne Lunge transformiert werden. Und dadurch auch das groe Geflle zwischen dem Londoner Westen, in dem die Aristokratie in grnen Parks lebt, und dem Osten, dem traditionellen Arbeitergebiet, zu nivellieren.

Wie gut das gelungen ist, zeigen nicht nur die teils aus Recycling-Material gebauten Stadien – das 80 ;0000 Besucher fassende Olympiastadion ist mit alten Gasleitungen erbaut. Die Immobilienpreise um den Olympiapark haben krftig angezogen. Bis zu 30 Prozent mehr kosten Huser und Mietwohnungen heute. Die weie Mittelschicht findet den Stadtteil namens Hackney immer attraktiver, in dem frher hauptschlich Auswanderer aus dem Nahen Osten lebten.

Neue Stadien noch hinter Absperrzunen

Die modernistischen Olympia-Neubauten wie das Aquatics Center, die Schwimmhalle in Rochenform von Architektin Zaha Hadid, der spiralenfrmige Turm und die treppenstufenfrmige Wasserpolo-Arena stehen 100 Tage vor Olympia versteckt hinter Baustellenzunen. Streng bewacht. Obwohl alle Anlagen schon fertig und durch Testwettkmpfe erprobt sind. Ein Blick von oben ist vom dritten Stockwerk des nagelneuen Einkaufszentrums zu erhaschen – durch das jeder U-Bahngast geschleust wird, wenn er zum Olympiapark will.

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