Umstrittene Aktion fortgesetzt – Salafisten verschenken Koran-Exemplare – Prediger attackiert Andersgläubige

April 14, 2012
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In vielen Fugngerzonen bietet sich Einkufern heute ein ungewohntes Bild: Radikal-islamistische Salafisten verschenken Koran-Exemplare. Der Initiator der Aktion attackiert derweil Andersglubige – in harten Worten.

Der salafistische Prediger Ibrahim Abou Nagie will die von ihm initiierte und vielfach kritisierte Verteilung von Koran-Ausgaben fortsetzen. Die Verbreitung des Korans sei „die Pflicht von jedem Muslim“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er werde dieser Pflicht nachkommen, obwohl er jeden Tag von der Polizei und vom Verfassungsschutz terrorisiert werde und unter der Medienhetze leide.

Als „Heuchler“ bezeichnete Abou Nagie Islamwissenschaftler und Muslime, die sich in den vergangenen Tagen und Wochen kritisch zu den Plnen geuerten hatten. „Allah verspricht denen die Hlle.“ Muslime, die den Deutschen schmeicheln wollten, indem sie deren Religionen als gleichwertig bezeichneten, seien „Verrter“. Und: „Christen, Juden kommen in die Hlle, wenn sie den Islam nicht annehmen.“

Gegen den radikalen Koran-Gelehrten hatte zuletzt die Klner Staatsanwaltschaft ermittelt, nachdem Abou Nagie in einem Video vor einer Schar Jugendlicher und Kinder angeblich zur Ttung von Unglubigen aufgerufen haben soll. Die Anklage soll nach FOCUS-Recherchen aber zu den Akten gelegt werden, da die Vorwrfe nicht haltbar sind.

Salafisten setzen Koran-Verteilung fort

Die Salafisten setzten am Samstag ihre umstrittene Koran-Verteilung fort. Allerdings fand die Aktion in weniger Stdten statt als angekndigt. So lieen sich in Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe und anderen Stdten keine Salafisten blicken. Nach der Ankndigung im Internet sollten in mehr als 30 Stdten Informationsstnde aufgebaut und Koran-Ausgaben verteilt werden.

In Berlin sorgte die Aktion fr heftige Diskussionen zwischen Passanten und den Islamisten. Viele Menschen nahmen aber auch Koran-Exemplare mit. Eine 65 Jahre alte Frau aus Chemnitz sagte: „Ich will mir selber ein Bild machen.“

Verfassungsschutzchefin warnt vor „Propaganda“

Politiker und Sicherheitsbehrden befrchten, dass die Salafisten die Aktion fr extremistische Zwecke missbrauchen knnten. Die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, sagte der Berliner Tageszeitung „B.Z.“ vom Samstag, den Salafisten gehe es „um Propaganda und die Rekrutierung von Anhngern“.

Der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl bezeichnete die Salafisten als „gefhrliche Extremisten und Verfassungsfeinde“. Mit der Koran-Aktion versuche die Bewegung „extremistischen Nachwuchs zu gewinnen“. Salafisten mssten aufgrund ihrer Ideologie als „klare Gegner der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Deutschlands“ gelten, sagte Uhl der „Bild“-Zeitung.

Dagegen kritisierte der Vorsitzende des Islamrates und Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime, Ali Kizilkaya, die Debatte als „etwas panisch“. „Es ist grundstzlich erlaubt, religise Schriften und damit auch den Koran zu verteilen“, sagte Kizilkaya der „Frankfurter Rundschau“ vom Samstag und fgte hinzu: „Das ist so hnlich, als wrde man die Bibel verteilen.“ Allerdings seien die Salafisten „eine sehr umstrittene Gruppe“.

Salafisten sind Anhnger einer fundamentalistischen Strmung des Islam. Sie streben nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehrden einen islamischen Gottesstaat an, der mit der westlichen Demokratie unvereinbar ist. Die Behrden gehen derzeit von rund 4000 Menschen im salafistischen Umfeld in Deutschland aus.

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