Westdeutsche Zeitung: Nordkoreas fehlgeschlagener Raketentest schürt neue Ängste – Ein Kim darf einfach nicht scheitern…

April 13, 2012
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Westdeutsche Zeitung: Nordkoreas fehlgeschlagener Raketentest schrt neue ngste – Ein Kim darf einfach nicht scheitern
Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek

Dsseldorf (ots) – Der Traum vom “Goldenen Zeitalter”, dessen Beginn mit dem 100. Geburtstag von Staatsgrnder Kim Il Sung zusammenfallen sollte, ist in 151 Kilometern Hhe geplatzt. Der mit lauten Propaganda-Trommeln begleitete Raketenstart hat sich als Rohrkrepierer entpuppt. Eine Schmach fr den jungen Machthaber Kim Jong Un und ein schwerer Rckschlag fr das ehrgeizige Ziel der kommunistischen Erbdiktatur, als prosperierendes Land von der Welt wahrgenommen zu werden. Schadenfreude ist jetzt jedoch fehl am Platze. Denn es wre naiv anzunehmen, dass mit den im Gelben Meer versunkenen Trmmern die Gefahr einer Eskalation in der Region gebannt ist. Das Gegenteil ist der Fall. Der Rckschlag macht den sowieso in seiner Macht noch instabilen Kim Jong Un unberechenbar. Er ist angeschlagen, nicht zuletzt in den Augen der Militrs, auf deren Wohlwollen er angewiesen ist.

Die Menschen in Nordkorea ertragen Hunger und Unterdrckung seit Jahrzehnten klaglos, weil sie von der Unfehlbarkeit ihrer geliebten und verehrten Herrscher berzeugt sind. Das Wort Scheitern, so haben sie gelernt, kommt im Wortschatz der Kim-Dynastie nicht vor. Deshalb ist die Gefahr gro, dass der Enkel nun versuchen wird, mgliche Zweifel an seiner Person im Keim zu ersticken. Nichts kme ihm da besser gelegen, als ein neuer Test mit nuklearen Sprengwaffen. Dabei drfte Nordkorea keine Rcksicht nehmen auf den jngst erst begonnenen Annherungskurs an den Westen. Einem Diktator, der sich einen Raketenstart so viel kosten lsst wie die Lebensmittelversorgung der Bevlkerung fr ein ganzes Jahr, ist mit Argumenten und weiteren Sanktionen nicht beizukommen.

Deshalb erweist sich der UN-Sicherheitsrat einmal mehr als zahnloser Tiger. Was auch daran liegt, dass China und Russland stets ihre schtzende Hand ber das stalinistische Regime halten. Deswegen wird Nordkorea sein Atomprogramm nicht aufgeben. Stattdessen droht ein neues Wettrsten in Nordostasien. Die Staatengemeinschaft wird vermutlich erst aufwachen, wenn Nordkorea tatschlich irgendwann ein Trgersystem entwickelt hat, das atomare Sprengkpfe bis in die USA trgt. Doch dann wre die Ausgangslage fr den Westen eine denkbar schlechte.

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