Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Putin

March 5, 2012
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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Putin

Bielefeld (ots) – Moskau glaubt den Trnen nicht: Aus diesem in Russland populren Filmtitel ist am Sonntagabend Gewissheit geworden. Mit feuchten Augen schwrmte Wladimir Putin zwei Stunden nach Schlieung der Wahllokale von seinem sauberen Sieg. Die Anhnger jubelten und kreischten. Die Opposition dagegen fhlte sich gereizt bis aufs Blut. Denn in Wahrheit setzte Putins Freudentrne auf dem Moskauer Manegeplatz den theatralischen Schlusspunkt unter eine von Betrugsvorwrfen berschattete Abstimmung. Wladimir Putin hatte nichts dem Zufall berlassen. Wirklich gefhrliche Gegenkandidaten waren gar nicht erst zur Prsidentenwahl zugelassen worden. Schon am Donnerstag letzter Woche warnte er die Opposition vor einer Flschung der Webcam-bertragung aus den Wahllokalen. Experten sehen darin einen ganz klaren Hinweis an regimetreue Wahlvorstnde, wie sie spter mgliche Beschwerden abzubgeln haben. Die internationalen Wahlbeobachter beklagten gestern Unregelmigkeiten in jedem dritten Wahllokal und die einseitige Vorberichterstattung der Staatsmedien. Die kannten wochenlang praktisch nur einen Kandidaten – Putin. Vermutlich htte der bei allen Abstrichen, die von den offiziell erzielten 63,6 Prozent zu machen sind, die Prsidentenwahl auch ohne Manipulationen gewonnen. Er wre sptestens im zweiten Wahlgang gegen Altkommunist Gennadi Sjuganow gewhlt worden, weil viele Russen Putin wollen und lieben. Wahrscheinlich war das der Grund fr Putins Freudentrnen. Pltzlich stellt einer, der sich gern als harter Hund inszeniert, fest, dass ihm sein Volk zu Fen liegt. Mit anderen Worten: Der alte, von ewigem Misstrauen durchdrungene Ex-Geheimdienstoffizier Putin war sich seiner Sache doch nicht so sicher gewesen. Damit erhrtet sich die Annahme, dass die Distanz zwischen Volk und Fhrer in Wahrheit gewaltig ist. Putin regiert sein Zarenreich mit Methoden von gestern, obwohl er es gar nicht ntig htte. Das aufgeklrte Brgertum muckte ein wenig auf, mehr nicht. Nur in Moskau rckten die seit der Dumawahl im Dezember daueropponierenden Krfte Putins Werte unter 50 Prozent. Auch die Menschenkette gestern Abend am Kreml und die Demonstration gegen den neuen Zaren knnen nicht rtteln an Putins komfortablem Rckhalt bei zumindest der Hlfte seines Staatsvolks. Fr Putin wird es in seiner dritten Amtszeit darauf ankommen, die berfllige Modernisierung Russlands mit Hilfe der skeptisch-kritischen Intelligenz zu schaffen. Nur mit den jungen, besser ausgebildeten und freier denkenden Krften kann er berwinden, was andererseits die Basis seiner Macht darstellt: die an Korruption und Pfrndenwirtschaft klammernden Beamten, Militrs und Angestellten ehemaliger Staatsbetriebe. Das sind die Kreise, die jede Vernderung frchten und Putin de facto auf Lebenszeit gewhlt haben.

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